„Wir wollen Teil des WIRs werden.“
„Bildung trifft Beteiligung“ – unter diesem Motto kamen am vergangenen Donnerstag etwa 100 Gäste im Innenhof unserer Geschäftsstelle in Berlin zusammen.
15.09.2025

© DKJS/Marcel Frank
Zum ersten Mal hat die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung in diesem Jahr zum Hoffest in den Kreuzberger Innenhof der Geschäftsstelle in Berlin eingeladen. Gemeinsam mit 100 Gäst:innen aus Politik, Zivilgesellschaft, Praxis und natürlich jungen Stimmen feierten wir eine Premiere voller Austausch, Inspiration und klarer Botschaften für mehr Jugendbeteiligung.
Trotz Regenschauer ließen sich die Gäst:innen nicht entmutigen: Unter Schirmen rückte man zusammen, hörte zu, diskutierte und schmiedete neue Allianzen zwischen Bildungspolitik und -praxis.
Besonders eindrucksvoll: die Stimmen junger Menschen, die das Programm maßgeblich prägten.
Junge Perspektiven, klare Worte
Mit poetischen, nachdenklichen und zugleich fordernden Beiträgen eröffneten Sarvinoz und Kím, Teilnehmende des mehrsprachigen Redewettbewerbs Mehr Sprachen – mehr WIR, den Abend. Was die Berge in Pamir mit dem Thema Einsamkeit zu tun haben, schilderte Sarvinoz in ihrer Rede auf Deutsch und Pamirisch (Shughni). Nach dem Willkommen durch DKJS-Geschäftsführerin Anne Rolvering präsentierte Kím seine Rede zum Thema „Liebe“ und argumentierte auf Deutsch und Kurdisch, dass Liebe nicht nur ein Gefühl, sondern auch eine politische Kraft ist, die unser gesamtes Zusammenleben verändern könnte.
„Sprache ist ein Mittel, um Gehör zu finden. Sie war für mich der Schlüssel zur deutschen Gesellschaft. Ich konnte ankommen und Freunde finden. Gleichzeitig ist die russische Sprache Teil meiner Identität. Mehrsprachigkeit ist auch eine Kompetenz, die wertgeschätzt werden muss“, sagte Natalie Pawlik, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, auf der Bühne.
Junge Menschen in Deutschland haben ungleiche Teilhabemöglichkeiten – abhängig von ihrem Wohnort
Die DKJS-Expertin für Wirkung & Evaluation, Johanna Okroi, präsentierte nach einer kurzen Pause für Essen, Netzwerken und Getränke, die zentralen Ergebnisse des Teilhabeatlas, der dieses Jahr erschien.
In der Studie wird deutlich: Teilhabechancen sind keineswegs gleich. Die Landkreise Deutschlands unterscheiden sich sehr in den Teilhabemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Um aber nicht über Jugendliche, sondern mit ihnen zu sprechen, gaben wir drei Jugendlichen beim anschließenden Podiumstalk Raum und Bühne für ihre Fragen und Themen, die sie beschäftigen.
Politische Themen sind auch Themen der Jugendlichen
So wurde es in der zweiten Hälfte des Abends noch einmal politisch: Auf dem Podium diskutierten Klara Lochner, Robin Kramer und Paul Marr aus dem VoiceUp!-Jugendnetzwerk mit Dr. Sven-Olaf Obst, Abteilungsleitung Abt. 6 im Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Miriam Zeleke, Landesbeauftragte für Beteiligung und Förderung von Kindern und Jugendlichen, Land Hessen.
Bei dem Gespräch über Chancen und Hindernisse echter Mitbestimmung für Jugendliche machten die jungen Stimmen klar:
Beteiligung ist kein Zukunftsthema: „Kinder und Jugendliche sind die Zukunft. Deswegen sind alle politischen Themen auch Themen der Jugendpolitik. Sie betreffen uns alle. Wir können und wollen Verantwortung übernehmen.“
Die Expertise junger Menschen sollte anerkannt werden: „Kinder und Jugendliche sind Expert:innen ihrer eigenen Lebenswelt. Das muss endlich anerkannt werden. Die dürfen auch in Kommissionen sitzen, wenn sie keinen Doktortitel haben. Wir müssen wirkliche Jugendbeteiligung ausprobieren – und wenn wir es falsch machen, lernen wir daraus.“
Strukturen für Beteiligung müssen geschaffen werden: „Wenn der Jugendclub im Dorf zumacht, stirbt auch die Jugendbeteiligung. Denn das ist der erste Anlaufpunkt für junge Menschen, um Kontakte zu knüpfen.“
Die Politik hat eine Verantwortung: „Wir diskutieren über Wehrpflicht und Handyverbot an Schulen ohne die Betroffenen einzubeziehen. Dabei sind sie Expert:innen in eigener Sache. Das ist völlig irre.“
Die Diskussion machte deutlich: Jugendliche wollen Teil des „Wir“ sein, wenn Politiker:innen von „Wir“ sprechen. Nur wenn ihre Stimmen ernsthaft gehört und in Entscheidungen eingebunden werden, wird aus Beteiligung auch echte Teilhabe.
Links und Downloads
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voiceup-dkjs.de
Die Initiative VoiceUp! fragt regelmäßig Kinder und Jugendliche: „Was bewegt junge Menschen in Deutschland?“ Das passiert bei Veranstaltungen, in persönlichen Befragungen – vor Ort und online – und in Formaten, die den Dialog zwischen den Generationen fördern.
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mehrsprachen-mehrwir.de
Mit dem Wettbewerb „Mehr Sprachen – mehr WIR” erhalten Schüler:innen ab der 7. Klasse die Möglichkeit, ihre Sprachkompetenz in Deutsch und einer weiteren Sprache zu präsentieren.
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teilhabeatlas.org
Die Wüstenrot Stiftung, das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung haben die Teilhabechancen von jungen Menschen in Deutschlands Regionen untersucht.
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wirkjournal.dkjs.de
Das Wirkjournal zeigt, wie die DKJS mit Projekten und Programmen nachhaltig Bildung und Teilhabe fördert.







