Menschen und Geschichten

"Wir zur #CoronaZeit - Odette"

Odette Friebel gehört zum Team Kita-Rat Dresden. Das Team berät als unabhängige Beratungsstelle Eltern, Elternbeiräte und Fachkräfte seit etwa 16 Monaten rund um Fragen, Probleme und Konflikte zum Thema Kindertagesbetreuung.  

Den ersten Skype-Termin mit Odette hatten wir für 10:30 Uhr im Online-Kalender vereinbart. Odette sitzt pünktlich mit Headset am Rechner in ihrem Wohnzimme. Auf dem Schoß, im Schlafanzug und noch gar nicht richtig wach, ihr Sohn. Seit mittlerweile 2 Wochen sind alle Kitas in Deutschland geschlossen. Auch wenn sich Eltern inzwischen organisiert haben, wer die Früh- und wer die Spätbetreuungsschicht übernimmt: Kinderbedürfnisse lassen sich nicht so einfach hin- und herschieben. Und warum man auf das morgendliche Kuscheln verzichten soll, wo Mama doch nebenan am Schreibtisch sitzt, ist einem 4jährigen nur bedingt vermittelbar. Wir verschieben unser Interview pragmatisch auf den nächsten Tag, 8 Uhr. Momentan arbeitet Odette meist schon ab 7 Uhr früh am Rechner, während der Rest der Familie noch schläft.  

Odette, der Kita-Rat Dresden hat sehr schnell schon Tipps für Kitas in der #CoronaZeit veröffentlicht. Wie kam es dazu? 

Durch den Austausch im DKJS-Wissensteam „Frühe Bildung, Betreuung & Erziehung“ sind wir auf ein tolles Beispiel aufmerksam geworden, wie man als Kita mit Eltern und Kindern auch unter den aktuellen Bedingungen in Kontakt bleiben kann. Julie vom Deutschen Kitapreis erzählte von einer ihrer Finalisten, die z. B. kleine Geschichten einlesen. Wenn die Kinder regelmäßig von ihren Erzieherinnen und Erziehern hören, so die Idee dahinter, hält das die Beziehung lebendig und die Wiedereingewöhnung nach der Pandemie funktioniert besser. So kamen wir spontan auf die Idee, noch weitere Beispiele zum Kontakthalten zu sammeln und die einfach auf unserer Webseite www.kita-rat-dresden.de zum Nachmachen zur Verfügung zu stellen. Das muss man natürlich auch bekannt machen, dabei haben wir von unserer Kollegin für Öffentlichkeitsarbeit, Josepha, Tipps und Unterstützung bekommen.

Was bedeutet die #CoronaZeit für Deine Arbeit? 

Wir mussten unsere Termine umplanen und haben dabei gleich auf digitale Formate gelenkt. D.h. wir bieten jetzt Beratung per Skype, Email oder Telefon an. Aber da alle Kitas geschlossen sind, melden sich momentan kaum Leute bei uns. Insofern konzentrieren wir uns gerade darauf, Dinge zu erledigen, die bisher immer liegen geblieben sind oder für die zu wenig Zeit war. Außerdem überlegen wir, wie Veranstaltungen digital stattfinden können. Zum Beispiel die Multiplikatorenschulung zu Kita-Elternmitwirkungsmoderatoren: Die wichtigsten Grundlagen der Elternbeiratsarbeit werden wir nun mit Videotools umsetzen. So können Eltern auch ganz individuell auf dieses Wissen zugreifen und wären nicht an bestimmte Zeiten gebunden. Bei einem 19-Uhr-Abendtermin kommt ja öfter mal was dazwischen. Alle suchen jetzt neue Wege, Zielgruppen zu erreichen und stellen fest: Das mit der Digitalisierung ist gar keine große Hexerei. Und das ist aus meiner Sicht durchaus ein Gewinn in der jetzigen Situation: Man denkt über seine bisherigen Komfortzonen hinaus. 

Die größte Herausforderung? 

Alle Veranstaltungen umzuplanen, ohne zu wissen, wie es mit den Kontakteinschränkungen weitergeht. Ich bin selber überrascht, wie schnell wir stiftungsweit Ideen und Lösungen gefunden haben, auf digitale Alternativen umzusteigen. Aber es bleibt ein Erproben, wie gut das funktioniert mit den Menschen, die wir bisher Face-to-Face beraten haben. Und natürlich ist es während der Schließzeit der Kitas schwieriger unsere Zielgruppe überhaupt zu erreichen und herauszufinden, was sie in dieser Situation braucht. Denn Kitas und Eltern, auch unsere ehrenamtlichen Kooperationspartner vom Stadtelternrat, haben jetzt ganz andere Sachen zu tun.  

Wie geht es dir dabei? 

Es schwankt, es gibt gute Tage und herausfordernde Tage. Ich habe so langsam meine Routine gefunden, aber trotzdem ist jeder Tag anders und hängt davon ab, wie mein Kind mitmacht.  

Worauf freust du dich an einem Homeoffice-Tag? 

Ich finde es spannend, die Fülle an Wissen, die jeden Tag in unseren digitalen Stiftungskanälen zur aktuellen Situation geteilt wird, zu verfolgen. Und ich freue mich über meine ruhigen Stunden zum Arbeiten morgens.