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Junge Menschen brauchen mehr als einen Ausbildungsplatz

Andreas Windmeier und Julia Puchta im Gespräch

17.08.2026

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Orientierung geben, Selbstvertrauen stärken, Digital- und Zukunftskompetenzen fördern und konkrete Einblicke in die Arbeitswelt ermöglichen: Genau das möchten wir mit JPMorganChase in unserer gemeinsamen Initiative Skills & Go! – Digitale Power für deine Zukunft erreichen.

Seit 2024 unterstützen wir mit dem Programm Jugendliche beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder weiterführende Bildungswege. Besonders im Blick haben wir junge Menschen mit einem herausfordernden individuellen Umfeld sowie Jugendliche mit einem niedrigen Schulabschluss.

Über diese gemeinsame Arbeit sprechen Julia Puchta, Expertin für Zukunftskompetenzen bei der DKJS, und Andreas Windmeier, Head of Payments Kontinentaleuropa und Schweiz sowie Mitglied im Philanthropy Committee bei JPMorganChase.

DKJS: In diesen Tagen starten wieder viele junge Menschen in eine Ausbildung. So erfreulich das ist, lesen wir auch immer wieder von tausenden offen gebliebenen Ausbildungsplätzen und Fachkräftemangel. Warum ist der Übergang von der Schule in eine Ausbildung oder den Beruf noch immer ein kritischer Moment?

Julia Puchta: Für viele junge Menschen ist der Einstieg in Ausbildung und Beruf eine große Herausforderung. Wer nicht direkt den Anschluss an eine Ausbildung findet, verbleibt oft über Jahre im Übergangssystem. Besonders betroffen sind junge Menschen mit einem ersten allgemeinbildenden Schulabschluss. Häufig fehlt ihnen berufliche Orientierung: Sie kennen ihre Stärken und Interessen nicht ausreichend und haben wenig Überblick über berufliche Möglichkeiten. Gleichzeitig bringen viele Schulabgänger:innen grundlegende Kompetenzen, die Ausbildungsbetriebe heute voraussetzen, noch nicht mit, etwa Digitalkompetenzen.

Andreas Windmeier: Wir haben in der Tat nicht nur ein Matching-, sondern vor allem ein Kompetenzproblem: Zwar gibt es viele unbesetzte Ausbildungsstellen, jedoch finden Unternehmen oft keine geeigneten Bewerber. Häufig fehlen ihnen, wie bereits erwähnt, grundlegende Fähigkeiten oder es gibt zu wenig junge Menschen, die sich überhaupt bewerben. Deshalb dürfen wir nicht nur auf freie Ausbildungsplätze schauen, sondern auch auf die jungen Menschen, die im Übergangssystem feststecken. Für JPMorganChase ist das ein zentrales Thema und gemeinsam mit Partnern wie der DKJS wollen wir Programme entwickeln, die dieses Problem wirksam adressieren und möglichst viele junge Menschen erreichen.

DKJS: Welche Fähigkeiten brauchen junge Menschen heute, um gut auf die digitalisierte Arbeitswelt vorbereitet zu sein?

Andreas Windmeier: Digitale Kompetenzen sind wichtig, aber nicht das einzige Thema. Ebenso entscheidend sind Teamfähigkeit, Problemlösungskompetenz, Offenheit für Veränderungen und Neugier. Die Anforderungen in vielen Berufen verändern sich schnell, etwa durch KI. Deshalb müssen Jugendliche lernen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und offen für Neues zu bleiben. Die entscheidende Frage ist daher, wie wir Jugendliche für diese Themen sensibilisieren und ihnen Zugänge verschaffen. Ein Teil der genannten Kompetenzen wird im klassischen Schulunterricht nur begrenzt vermittelt. Gleichzeitig haben viele junge Menschen kaum Berührungspunkte mit Unternehmen und erhalten nur selten Einblicke in die Arbeitswelt.

DKJS: Warum sind die Zukunftskompetenzen so wichtig?

Julia Puchta: Ich kann nur unterstreichen, was Andreas gesagt hat: Junge Menschen brauchen Resilienz, Veränderungsbereitschaft und konkrete Fähigkeiten für Ausbildung und Beruf. Entscheidend ist, dass überfachliche Kompetenzen nicht als zusätzliches Angebot neben dem Unterricht verstanden werden, sondern im Schulalltag selbstverständlich mitgedacht und gelebt werden. Das kann Schule allein jedoch nicht leisten. Dafür braucht es eine enge Zusammenarbeit von Schulen, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen – und es braucht verlässliche Partnerschaften, die jungen Menschen konkrete Erfahrungen und Perspektiven eröffnen.

Insgesamt sind junge Menschen nur teilweise auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet. Sie nutzen digitale Medien zwar selbstverständlich, verfügen aber nicht automatisch über ausreichende Medien- und Digitalkompetenzen.

Julia Puchta

Expertin für Zukunftskompetenzen bei der DKJS

DKJS: Welche Rolle spielen Themen wie KI, Datenkompetenz und kritisches Denken bei Euch im Unternehmen?

Andreas Windmeier: Bei JPMorganChase ist KI inzwischen Teil des Arbeitsalltags. Deshalb fördern wir den kompetenten Umgang mit KI und zugleich kritisches Denken: Ergebnisse müssen hinterfragt und eingeordnet werden. Genau diese Kompetenz sollten auch junge Menschen möglichst früh entwickeln. KI gehört für viele Jugendliche bereits zum Alltag. Oft ist ihnen aber nicht bewusst, wie stark sie die Arbeitswelt verändert. Bei Skills & Go! erhalten sie deshalb die Möglichkeit, im Rahmen von Unternehmensbesuchen praktische Einblicke zu gewinnen und zu sehen, wie KI im Arbeitsalltag eingesetzt wird und welche Rolle sie in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen spielt.

DKJS: Wenn wir auf die jungen Menschen blicken, die heute die Schule verlassen, wie gut sind sie auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet?

Julia Puchta: Insgesamt sind junge Menschen nur teilweise auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet. Sie nutzen digitale Medien zwar selbstverständlich, verfügen aber nicht automatisch über ausreichende Medien- und Digitalkompetenzen. Entscheidend ist heute nicht nur die Fähigkeit, digitale Inhalte kritisch zu hinterfragen, sondern auch, Mechanismen und Zusammenhänge zu verstehen und Technologien sinnvoll für die eigene Lebenswelt, die eigenen Ziele und die Gesellschaft einzusetzen. Studien zeigen jedoch: Je niedriger der Schulabschluss, desto geringer sind häufig auch die digitalen Kompetenzen. Deshalb brauchen junge Menschen gezielte Unterstützung – nicht nur bei digitalen Fähigkeiten, sondern auch bei Berufsorientierung sowie Selbst- und Sozialkompetenzen.

DKJS: Wenn Digitalkompetenzen mehr sind als technische Fähigkeiten und zunehmend über Bildungs- und Berufschancen entscheiden: Was können wir durch Projekte wie Skills & Go erreichen?

Andreas Windmeier:  Skills & Go! sensibilisiert Jugendliche frühzeitig für Themen der Berufsorientierung und Zukunftskompetenzen. Neben dem Auf- und Ausbau von Fähigkeiten steht dabei auch die Frage im Mittelpunkt, welche Berufe zu den eigenen Stärken passen. Besonders wichtig ist uns die praxisnahe Begleitung. Viele Themen lassen sich im Schulalltag nur schwer vermitteln. Deshalb brauchen Jugendliche konkrete Einblicke in die Arbeitswelt. In unserem gemeinsamen Programm bekommen junge Menschen diese Möglichkeit. Hier erfahren sie zum Beispiel, welche Berufe es gibt und wie diese ganz konkret aussehen, worauf Unternehmen bei Bewerbungen achten und welche Möglichkeiten es für sie selbst gibt. Unser Ziel ist es, diese Erfahrungen möglichst vielen Jugendlichen zugänglich zu machen. Dafür braucht es starke Partnerschaften aus Schule, Wirtschaft und Gesellschaft.

Über sich hinauswachsen

Skills & Go! richtet sich an Jugendliche der 8. bis 10. Klasse an Haupt-, Real- und Gesamtschulen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Mit Skills-Camps in den Ferien, Skills-Weeks an Schulen sowie praxisnahen Angeboten zur Berufsorientierung fördert das Programm digitale und zukunftsrelevante Fähigkeiten und unterstützt die Jugendlichen beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder weiterführende Bildungswege. Seit dem Programmstart in Hessen wurden mit 20 Feriencamps und fünf Skills-Weeks mehr als 700 Jugendliche erreicht. Dabei profitierten die Teilnehmenden messbar: Über 80 % berichten nach Skills & Go! von mehr Wissen zu digitalen Themen sowie gestärkter Teamfähigkeit und Problemlösungskompetenz.

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Julia Puchta: Skills&Go! vernetzt genau diese Partner. Wir arbeiten mit Schulen zusammen, öffnen aber gleichzeitig den Blick über den Schulalltag hinaus und ermöglichen Jugendlichen konkrete Einblicke in die Arbeitswelt. Entscheidend ist, dass die Begleitung nicht mit einem Camp endet. Durch die Nachbegleitung können Jugendliche ihre Erfahrungen reflektieren und gemeinsam nächste Schritte entwickeln. So entstehen aus ersten Impulsen langfristige Entwicklungsmöglichkeiten.

DKJS: Welches Potenzial seht ihr in philanthropischem Engagement und Verantwortungsgemeinschaften, die gemeinsam an dem Thema arbeiten?

Julia Puchta: Gerade im Bildungsbereich dauern Veränderungen oft lange. Verantwortungsgemeinschaften ermöglichen es, dass verschiedene Akteure gemeinsam schneller und flexibler reagieren können. Gemeinsam können wir neue Ansätze entwickeln, Erfahrungen bündeln und Lösungen anpassen. Entscheidend ist der gemeinsame Blick auf die Jugendlichen, unabhängig von Zuständigkeiten oder organisatorischen Grenzen. Jeder Partner bringt unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen ein. Wenn alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten – nämlich, junge Menschen bestmöglich beim Übergang in Ausbildung und Beruf zu unterstützen – entsteht eine größere Wirkung.

Andreas Windmeier: Für mich sind bei solchen Partnerschaften Wirksamkeit und Skalierbarkeit entscheidend: Was hilft jungen Menschen nachweislich, den nächsten Schritt zu gehen? Und wie bringen wir wirksame Ansätze in die Breite? Wir müssen Jugendliche frühzeitig, idealerweise bereits ab Klasse acht, erreichen und sie dabei unterstützen, ihre Stärken zu erkennen und berufliche Perspektiven zu entwickeln. Dafür ist das Zusammenspiel von Schule, Organisationen und Wirtschaft zentral: Unternehmen sollten früh eingebunden werden, damit Jugendliche praxisnahe Einblicke in die Arbeitswelt erhalten und Berufsorientierung auf einer fundierten Grundlage stattfindet. Da es heute zahlreiche Angebote gibt, ist es umso wichtiger, gemeinsam herauszufinden, welche Ansätze tatsächlich wirken. Denn nicht ein einziges Programm ist die Lösung, sondern das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen und Akteure.

Julia Puchta: Genau darin liegt die Chance: eine stärkere Bündelung und Fokussierung vorhandener Kräfte – zunächst regional, perspektivisch auch auf Bundesebene. Das können einzelne Organisationen nicht allein leisten. Es braucht Austausch und die Zusammenarbeit untereinander.

Mein Wunsch wäre, dass wir in zehn Jahren nicht mehr über Fachkräftemangel sprechen müssen, weil junge Menschen die Förderung erhalten, die sie brauchen, um für die Anforderungen der Zukunft gerüstet zu sein.

Andreas Windmeier

Head of Payments Kontinentaleuropa und Schweiz sowie Mitglied im Philanthropy Committee bei JPMorganChase

DKJS: Was braucht es also, um allen jungen Menschen in Deutschland gute Chancen für den Übergang von der Schule in den Beruf zu bieten?

Julia Puchta: Ein erfolgreicher Übergang in Ausbildung und Beruf muss konsequent an den Potenzialen junger Menschen ansetzen. Entscheidend ist eine individuelle Begleitung, die persönliche Stärken sichtbar macht, Zukunfts- und Digitalkompetenzen gezielt fördert und insbesondere junge Menschen unterstützt, die bislang geringere Bildungschancen hatten. Genauso wichtig ist eine verlässliche Zusammenarbeit zwischen Schule, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Andreas Windmeier: Und wir müssen junge Menschen erreichen, bevor sie im Übergangssystem feststecken. Dafür braucht es frühzeitige Orientierung und verlässliche Unterstützung.

DKJS: Was wünscht ihr euch für die Jugendlichen am Übergang 2036?

Julia Puchta: Ich wünsche mir, dass Herkunft oder Schulabschluss nicht über die Lebens- und Zukunftschancen junger Menschen entscheiden. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit erhalten, die eigenen Potenziale zu entfalten und die Unterstützung zu bekommen, die dafür notwendig ist. Genau dafür wollen wir als DKJS gemeinsam mit Partnern wie JPMorganChase weiterhin die Voraussetzungen schaffen und dazu beitragen, dass junge Menschen unabhängig von ihren Ausgangsbedingungen ihre Zukunft gestalten können.

Andreas Windmeier: Ja, es ist ein sehr wichtiges Ziel, Jugendlichen unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund gute Startchancen für den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Mein Wunsch wäre, dass wir in zehn Jahren nicht mehr über Fachkräftemangel sprechen müssen, weil junge Menschen die Förderung erhalten, die sie brauchen, um für die Anforderungen der Zukunft gerüstet zu sein. Dabei geht es nicht nur um konkrete Kompetenzen, sondern auch um Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, den eigenen Weg aktiv zu gestalten. Jugendliche sollten frühzeitig die Möglichkeit bekommen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, welcher Bildungs- oder Berufsweg zu ihren Stärken, Interessen und Zielen passt. Wenn es uns dies gelingt, , schaffen wir bessere Perspektiven für junge Menschen und stärken gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.

  • JPMorgan Chase & Co. (NYSE: JPM) ist ein führender Finanzdienstleister mit Sitz in den USA und Niederlassungen auf der ganzen Welt, einer Bilanzsumme von 5 Billionen US-Dollar und Eigenkapital in Höhe von 375 Milliarden US-Dollar (zum 30. Juni 2026). Das Unternehmen hat eine Führungsrolle im Investment Banking, bei Finanzdienstleistungen für Verbraucher und kleine Unternehmen, im Firmenkundengeschäft, bei der Abwicklung von Finanztransaktionen sowie im Asset Management. Unter den Markendächern J.P. Morgan und Chase begleitet die Firma Millionen von Privatkunden – vorwiegend in den USA – und viele der weltweit bedeutendsten Unternehmen sowie institutionellen und öffentlichen Kunden. In Deutschland, wo JPMorganChase mit Büros in Frankfurt, Berlin, Hamburg und München präsent ist, reicht die Geschichte mehr als 100 Jahre zurück.

    Mehr Informationen über JPMorgan Chase & Co finden sich unter www.jpmorganchase.com.

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Julia Puchta

Zukunftskompetenzen

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