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„Jugendliche wollen Verantwortung“ – Drei Fragen an Frank Hinte

29.10.2025

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Beim letzten Treffen des VoiceUp!-Jugendnetzwerks kamen junge Menschen aus ganz Deutschland zusammen, um sich intensiv mit aktuellen Themen rund um VoiceUp! zu beschäftigen, Ideen weiterzuentwickeln und ihre Perspektiven einzubringen. Sie nutzten die Gelegenheit, um über ihre Erfahrungen, Sorgen und Ideen zu sprechen. DKJS-Geschäftsführer Frank Hinte war dabei – und ging mit vielen Eindrücken nach Hause. Im Gespräch erzählt er, was ihn bewegt hat, warum junge Menschen Verantwortung übernehmen wollen und was Vertrauen mit echter Beteiligung zu tun hat.

 

Frank, du warst beim VoiceUp!-Treffen dabei. Mit welcher Haltung bist du in den Austausch gegangen – und was hast du mitgenommen?

 

Ich war einfach neugierig zu hören, was die jungen Erwachsenen erlebt haben. Viele hatten in den letzten Monaten zu ganz unterschiedlichen Themen gearbeitet – von Demokratie bis Klimaschutz – und ich wollte wissen, wie es ihnen damit ergangen ist. Besonders nachdenklich gemacht hat mich, wie stark junge Menschen unter der gesellschaftlichen Polarisierung leiden. Manche erzählen, dass sie kaum noch offen sagen können, was sie denken. Da müssen wir Erwachsenen uns ehrlich fragen, ob wir genug Räume schaffen, in denen sie angstfrei diskutieren können.

Überrascht hat mich, dass das längst kein Ost-West-Thema mehr ist. Jugendliche aus Gelsenkirchen haben von ganz ähnlichen Spannungen erzählt wie junge Menschen aus Sachsen. Polarisierung scheint weniger mit Himmelsrichtungen zu tun zu haben, sondern viel mehr mit sozialer Ungleichheit: Wo Kommunen arm sind, wo es wenig Angebote und Unterstützung gibt, da wachsen die Gräben. Gute Jugendarbeit und engagierte Schulen machen hier einen riesigen Unterschied.

 

Oft heißt es, junge Menschen wollten keine Verantwortung übernehmen. Dein Eindruck?

 

Ich sehe das ganz anders. Es gibt nicht die eine Generation – genauso wenig wie es nur die Babyboomer oder die Millennials gibt. Auch unter jungen Menschen gibt es solche, die keine Verantwortung übernehmen wollen oder können, aber eben auch sehr viele, die das möchten – und es längst tun. Sie engagieren sich, sie gehen auf die Straße, sie suchen den Austausch mit Politik. Diese Generation unterscheidet sich darin gar nicht so sehr von anderen – vielleicht nur darin, dass ihre Herausforderungen größer sind und sie deshalb besonders laut und aktiv werden.

 

Was nimmst du aus dem Prozess für die Arbeit der DKJS mit?

 

Vertrauen – auf beiden Seiten. Viele Jugendliche haben anfangs gezweifelt, ob wir es wirklich ernst meinen. Sie kennen es, dass Erwachsene gern „über“ sie reden, aber selten „mit“ ihnen. Inzwischen spüren sie: Hier geht es um echten Dialog und gemeinsames Handeln. Und wir als Stiftung vertrauen ihnen genauso. Dieses gegenseitige Vertrauen ist die Basis für echte Beteiligung – und dafür, dass junge Stimmen in Zukunft noch stärker gehört werden.

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