

Jedes Jahr bleiben tausende Ausbildungsplätze unbesetzt – gleichzeitig finden viele junge Menschen nach der Schule keinen direkten Weg in Ausbildung oder Beruf. Unsere Online-Aktionswoche #ÜbergangSchaffen vom 24. bis 28. August 2026 macht auf diese Herausforderung aufmerksam und zeigt, welche Chancen, Angebote und Unterstützungswege es für junge Menschen gibt.
(K)Ein Übergang in die Ausbildung
Der Übergang von der Schule in eine Ausbildung oder einen Beruf ist nicht einfach – das zeigen jedes Jahr verschiedene Zahlen. Laut Berufsbildungsbericht 2026 wurden im vergangenen Jahr 476.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – deutlich weniger als noch zwei Jahre zuvor. Gleichzeitig fanden rund 84.000 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete Bewerber:innen keine passende Ausbildungsstelle, während etwa 54.000 Ausbildungsplätze unbesetzt blieben.
Die Zahlen machen deutlich: Es herrscht ein Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt.
Was hilft jungen Menschen, den nächsten Schritt zu gehen?
Orientierung geben, Selbstvertrauen stärken, Digital- und Zukunftskompetenzen fördern und konkrete Einblicke in die Arbeitswelt ermöglichen: Genau das möchten wir mit JPMorganChase in unserer gemeinsamen Initiative Skills & Go! – Digitale Power für deine Zukunft erreichen. Seit 2024 unterstützen wir mit dem Programm Jugendliche beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder weiterführende Bildungswege. Besonders im Blick haben wir junge Menschen mit einem herausfordernden individuellen Umfeld sowie Jugendliche mit einem niedrigen Schulabschluss.
Über die gemeinsame Arbeit sprechen Julia Puchta, Expertin für Zukunftskompetenzen bei der DKJS, und Andreas Windmeier, Head of Payments Kontinentaleuropa und Schweiz sowie Mitglied im Philanthropy Committee bei JPMorganChase.
Berufsorientierung: Mehr als die Wahl eines Berufs
Was will ich werden? Diese Frage stellen sich junge Menschen im Laufe ihres Lebens immer wieder. Obwohl Berufsorientierung zum Schulalltag gehört, stehen Schulen vor der Herausforderung, sehr unterschiedliche Jugendliche auf ihrem Weg zu begleiten – mit unterschiedlichen Interessen, Lernvoraussetzungen, Lebensrealitäten und Unterstützungsbedarfen. Zugleich bleiben Informationen über Berufe häufig abstrakt und bieten zu wenig Einblick in die tatsächliche Arbeitswelt.
Doch Berufsorientierung ist mehr als die Entscheidung für oder gegen einen Beruf. Sie soll junge Menschen dabei unterstützen, ihre Stärken zu erkennen, realistische Perspektiven zu entwickeln und eigene Wege in die Arbeitswelt zu finden. Dazu gehört auch, klischeehafte Rollenbilder und Geschlechterstereotype zu hinterfragen und berufliche Teilhabe für alle zu ermöglichen.
Es gibt bei Berufen so viele Möglichkeiten, so viel Auswahl. Es gibt so vieles, da hat man gar keine Ahnung, dass es das gibt. Da braucht man einfach jemanden, der mal draufguckt und Tipps gibt.
Jonathan
Jugendlicher | aus: 22 Prozent - Die Übersehenen am Übergang in die Ausbildung
Die DKJS will mit ihren Programmen im Handlungsfeld Zukunftskompetenzen junge Menschen darin unterstützen, ihre Stärken zu erkennen, praktische Erfahrungen zu machen und damit berufliche Orientierung zu finden. Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit Schulen und pädagogischen Fachkräften daran, Berufsorientierung praxisnah, inklusiv und stärkenorientiert weiterzuentwickeln und auch die Jugendlichen aktiv einzubinden.
Hier setzt unser Programm Wir stärken Mädchen an: Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren probieren sich in Projekten aus den Bereichen Handwerk, MINT und Digitalisierung aus. Sie forschen, bauen, programmieren und entwickeln eigene Ideen weiter – unabhängig von klassischen Rollenbildern. Lehrkräfte werden zusätzlich dabei unterstützt, gendersensible Berufsorientierung dauerhaft im Schulalltag zu verankern. Durch Austauschformate und Fortbildungen erhalten sie Materialien und Begleitung für die Umsetzung der Projekte vor Ort.
Wie diese Arbeit konkret aussieht, zeigt eine der vier Wirkgeschichten in unserem aktuellen Wirkjournal. Sie gibt Einblick in die Arbeit unseres Programms und macht sichtbar, wie gendersensible Berufsorientierung gestaltet und welche Veränderungen dadurch angestoßen werden können.
Hier setzt unser Programm Berufsorientierung inklusive! an: Nach einer erfolgreichen Modellphase entwickeln fünf weitere Förderschulen in Rheinland-Pfalz ihre Berufsorientierung gemeinsam mit den Schüler:innen weiter. Praktische Erfahrungen stehen dabei im Mittelpunkt – etwa durch Betriebsbesuche, Werkstattprojekte und Praktika. Die DKJS unterstützt die Schulen dabei, unterschiedliche Lebenslagen stärker zu berücksichtigen und enger mit außerschulischen Partnern zusammenzuarbeiten. Ziel ist es, Übergänge gerechter zu gestalten und mehr jungen Menschen echte Zukunftschancen zu eröffnen.
Auch zu diesem Thema erfahren Sie mehr in der Wirkgeschichte unseres aktuellen Wirkjournals.
Mit Skills & Go! – Digitale Power für deine Zukunft unterstützen wir Jugendliche der 8. bis 10. Klasse an Haupt-, Real- und Gesamtschulen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Mit Skills-Camps in den Ferien, Skills-Weeks an Schulen sowie praxisnahen Angeboten zur Berufsorientierung fördert das Programm digitale und zukunftsrelevante Fähigkeiten und unterstützt die Jugendlichen beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder weiterführende Bildungswege.
Persönliche Einblicke in die Skills-Camps
Vom Roboter zur Seifenkiste: In den Skills-Camps wachsen die Jugendlichen über sich hinaus. In dem 5-tägigen Camp setzen sich die Teilnehmenden mit ihren persönlichen Stärken auseinander, bauen ihre digitalen Skills aus und beschäftigen sich mit der Frage: Welche Kompetenzen brauche ich eigentlich für meinen späteren Beruf? In eigens gedrehten Vlogs hielten die Jugendlichen des Skills-Camps im hessischen Wetzlar fest, was sie in dieser Woche erlebt haben – und stärken damit gleichzeitig ihre digitalen Skills.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Youtube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Seit vielen Jahren unterstützen wir Schüler:innenfirmen durch Koordination, Qualifikation und Begleitung. Aus diesem Engagement ist das Netzwerk Startup Zukunft! entstanden: eine zentrale Koordinierungsstelle für die regionalen Beratungsangebote der DKJS sowie externer Partner.
In den regionalen Beratungsstellen unterstützen wir Schüler:innen und deren pädagogische Begleitung mit vielfältigen Angeboten bei der Gründung und Weiterentwicklung von Schüler:innenfirmen.
Der Übergangsbereich
Junge Menschen, denen der direkte Einstieg in eine Ausbildung nicht gelingt, landen zunächst im sogenannten Übergangssektor. Laut Berufsbildungsbericht ist die Zahl der jungen Menschen, die darin einmündeten, zum vierten Mal in Folge gestiegen und lag im Jahr 2025 bei 262.000 (Bildung in Deutschland, 2026). Über zwei Drittel von ihnen verfügen über keinen oder einen Ersten Schulabschluss.
Der Übergangssektor umfasst eine Vielzahl an Angeboten und Maßnahmen, die von unterschiedlichen Akteuren und Institutionen umgesetzt werden. Sie alle zielen darauf, dass junge Menschen die Möglichkeit erhalten, ausbildungsrelevante Kompetenzen zu erwerben, sich beruflich zu orientieren oder ihren Schulabschluss nachzuholen bzw. zu verbessern. Diejenigen mit Flucht- und Migrationserfahrung werden zudem beim Spracherwerb und bei der Integration unterstützt.
Wenn uns die Arbeitswelt nicht wie Knete behandeln würde, dann würden viele richtig gute Arbeit leisten [...] Ich kann nicht alles, aber ich möchte unbedingt arbeiten und gut sein. Und vieles kann ich auch richtig gut. Ich wäre total dankbar, wenn ich mehr akzeptiert werden würde und endlich eine ehrliche Chance bekäme.
Juli
Jugendliche | aus: 22 Prozent – Die Übersehenen am Übergang in die Ausbildung
Den Ruf nach einer Reform des Übergangssektors gibt es seit vielen Jahren. Er kommt sowohl aus Bildungspolitik, Wissenschaft und Wirtschaft als auch von Gewerkschaften, Kammern, Berufsschulen und weiten Teilen der Zivilgesellschaft. Zurecht, denn nur etwa zwei Drittel der jungen Menschen gelingt innerhalb von drei Jahren tatsächlich der Übergang in eine vollqualifizierende Ausbildung (Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung 2024).
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Youtube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
-
Damit Berufsorientierung langfristig Wirkung entfalten kann, braucht es eine frühzeitige und verbindliche Verankerung im Schulalltag. Sie sollte mit konkreten Angeboten verknüpft sein, z.B. Bewerbungstrainings, Vorstellungsgesprächen, Betriebspraktika und Übergangsplanung. Praxisnahe Erfahrungen müssen für alle Schüler:innen zugänglich sein, insbesondere für junge Menschen mit Förderbedarf. Lehrkräfte benötigen dafür Zeit, Qualifizierung und verlässliche Unterstützung.
-
Die Anforderungen der Ausbildungsbetriebe an junge Auszubildende unterliegen einem ähnlich schnellen Wandel wie die Berufsbilder selbst. Digitale Kompetenzen als wesentlicher Baustein aller Arbeitswelten müssen frühzeitig gefördert werden. Über die Nutzungskompetenz hinaus brauchen junge Menschen eine Digital Literacy, die das Fundament zu einer gestaltenden, reflektierten Medienpraxis legt. (s. SWK)
-
Junge Menschen brauchen niedrigschwellige Möglichkeiten, berufliche Interessen und eigene Fähigkeiten praktisch zu erproben – ohne Entscheidungs-, Bewertungs- oder Leistungsdruck. Solche Erprobungsräume sollten nicht nur berufliche Orientierung ermöglichen, sondern auch Selbstvertrauen und die Erfahrung stärken, gebraucht zu werden und etwas bewirken zu können.
-
Maßnahmen und Projekte im Übergangssektor sollten so konzipiert und ausgestaltet sein, dass der Spielraum für individuelle Begleitung so groß wie möglich ist. Je besser die Unterstützung an den persönlichen Voraussetzungen und Lebenslagen junger Menschen ansetzt, desto größer sind die Chancen auf einen erfolgreichen Übergang in Ausbildung und Beruf
Dafür braucht es auch feste Ansprechpersonen, die junge Menschen rechtskreisübergreifend begleiten – mindestens bis zum erfolgreichen Ausbildungsstart, idealerweise bis zum Ausbildungsabschluss.
-
Es gibt bereits zahlreiche Angebote für Jugendliche – häufig sind diese jedoch zu hochschwellig, unübersichtlich oder nicht ausreichend aufeinander abgestimmt. Entscheidend ist deshalb nicht, mehr Angebote zu schaffen, sondern aus Sicht der Jugendlichen klare Angebote mit hoher Qualität bereitzustellen. Dafür braucht es wertschätzende und diversitätssensible Angebote mit klaren Zugangsvoraussetzungen, nachvollziehbaren nächsten Schritten und möglichst wenigen Übergangshürden. Angebote sollten modular und flexibel aufeinander aufbauen können, ohne für junge Menschen ein unübersichtliches System zu erzeugen.
-
Die Zahl der direkten Übergänge in Ausbildung kann und muss erhöht werden. Dies sollte zum einen durch mehr individuelle Förderung und Begleitung vor und während der Ausbildung erfolgen, zum anderen durch eine Flexibilisierung des Ausbildungssystems, um die Einstiegshürden zu senken.
Gleichzeitig müssen junge Menschen auf eine Arbeitswelt vorbereitet werden, die sich durch Digitalisierung und technologische Veränderungen kontinuierlich weiterentwickelt. Es gilt weniger spitz auf bestimmte Fähigkeiten für ein späteres Berufsleben hinzulernen, sondern ein breites Medienbildungsfundament zu legen, das Jugendlichen hilft, sich an neue Technologien anzupassen und diese sogar selbst zu gestalten.
-
Kommunen bzw. lokale Netzwerke sollten die Koordination des Übergangs mit verbindlichen Rollen für Schule, Jugendhilfe, Arbeitsverwaltung, Jobcenter, Träger, Kammern und Betriebe übernehmen. Jugendberufsagenturen müssen so weiterentwickelt werden, dass junge Menschen abgestimmt und aus einer Hand begleitet werden.
-
Junge Menschen dürfen auf dem Weg in Ausbildung und Beruf nicht durch Schulabsenz verloren gehen. Gerade zwischen der 8. und 10. Klasse werden wichtige Grundlagen für das spätere Bildungs- und Erwerbsleben gelegt. Deshalb braucht es frühzeitige und verbindliche Strategien gegen Schulabsenz sowie eine stärkere Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Sorgeberechtigten.
Gleichzeitig nehmen psychische Belastungen, familiärer Druck und gesundheitliche Einschränkungen bei jungen Menschen zu. Berufsorientierung und Ausbildungsvermittlung gelingen nur, wenn Stabilisierung als Regelaufgabe des Übergangssystems und nicht als Zusatzaufgabe einzelner Fachkräfte verstanden wird.
Macht mit und werdet Teil der Aktionswoche!
Wer kann mitmachen?
- Alle Institutionen, Organisationen, Akteur:innen und Angebote, die sich mit dem Thema Übergang Schule – Ausbildung/Beruf beschäftigen, sind eingeladen, sich an der Aktionswoche zu beteiligen und eigene Netzwerke einzubinden.
Wie wird mitgemacht?
- Ihr postet in der Woche vom 24. bis 28. August einen oder mehrere Beiträge oder Stories unter dem Hashtag #ÜbergangSchaffen auf euren Social Media Kanälen. Teilt eure Erfahrungen, Angebote oder guten Beispiele und zeigt, was es jetzt braucht, um junge Menschen auf ihrem Weg zu unterstützen. Wir freuen uns, wenn ihr weitere Institutionen oder Personen aus euren Netzwerken verlinkt.
Unser Kampagnen-Set mit Keyvisuals und Infografiken unterstützt euch bei der Umsetzung.
Ihre Ansprechpersonen

© DKJS/ Stefanie Loos
Julia Puchta
Zukunftskompetenzen
DKJS Hamburg mit Bremen und Niedersachsen
Winterhuder Weg 86
22085 Hamburg
+49 (0)40 38 07 15 34 0
julia.puchta@dkjs.de

© DKJS/Stefanie Loos
Andreas Knoke-Wentorf
Kita & Frühe Bildung
DKJS Geschäftsstelle
Tempelhofer Ufer 11
10963 Berlin
+49 (0)30 25 76 76 26
andreas.knoke@dkjs.de

Vanessa Agné
Berufsschule & Übergang Ausbildung
DKJS Rheinland-Pfalz
Bahnhofsplatz 8
54292 Trier
+49 (0)651 14 53 36 86 0
vanessa.agne@dkjs.de



















