Kita-Debatte: Quantität nicht gegen Qualität ausspielen

14.03.07 – Die Wortgefechte zum Thema Krippenplätze und Kita-Angebote haben eine Frage in den Hintergrund rücken lassen, die man neben der Diskussion um Betreuungszeit und Platz­bedarf nicht aus dem Auge verlieren darf: Wie gut sind die Einrichtungen für unsere Jüngsten? Wie schaffen es Kindergärten und Schulen gemeinsam mit den Eltern, für eine kindgerechte Bildung und Erziehung zu sorgen?
 

»Es kann dabei nicht nur um ein Mehr an Plätzen oder unternehmensfreundliche flexible Öffnungs­zeiten gehen. Entscheidend ist doch, wie wohl sich die Kinder in ihrer Kita fühlen, wie der natürliche Drang der Kinder zum spielerischen Lernen unterstützt und der Spracherwerb gefördert wird, ob die kindliche Neugier ‚Futter’ bekommt und in welcher Form soziales Lernen Raum erhält«, so Dr. Frauke Hildebrandt von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.


Aber nicht nur die Kinder und ihre Familien, sondern auch Staat und Unternehmen würden von mehr Qualität an der Basis unseres Bildungssystems profitieren, hat das Deutsche Wirtschaft Köln (IW) zu Jahresbeginn vorgerechnet: Um 100 Milliarden Euro könnte bis zum Jahr 2050 das Bruttoinlands­produkt steigen, vorausgesetzt, es erfolgen Reformen im Bereich des frühkindlichen Bildung. Die Studie zeigt, dass es mit ausschließlich quantitativen Investitionen nicht getan ist, sondern Renditen nur zu erwarten sind, wenn diese an eine inhaltliche Weiterentwicklung im Elementar- und Primarbereich gekoppelt sind. Zusätzliche und kostenfreie Kindergartenplätze zahlen sich also erst dann richtig aus, wenn zugleich die Qualität der frühkindlichen Bildung verbessert wird.


Ponte. Kindergärten und Grundschulen auf neuen Wegen ist eine der Initiativen, die an der Schraube für mehr Qualität in der frühen Bildung drehen. Am Programm, das von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und Wissenschaftlern der INA an der FU Berlin mit Unterstützung der Deutsche Bank Stiftung 2005 ins Leben gerufen wurde, beteiligen sich 62 Einrichtungen in Brandenburg, Berlin, Sachsen und seit kurzem auch aus Rheinland-Pfalz. Kindergärten und Grundschulen arbeiten in ponte als Tandems zusammen, lernen mit- und voneinander.


Am Samstag fand in Berlin für ca. 70 ErzieherInnen und LehrerInnen wieder einer der regelmäßigen Fortbildungs-Workshops statt, diesmal zur Zusammenarbeit mit Eltern. »Pädago­gischer Alltag kann nur gut gelingen, wenn die Familien eingebunden werden, das Wie ist aber oft problematisch«, weiß Dr. Frauke Hildebrandt. Eingeleitet durch einen Beitrag Annette Hautumms vom Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg und Mitautorin des Buches 12 Prinzipien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Erzieherinnen und Eltern, ging es in kleinen Gruppen um folgende Schwerpunkte:

 


  • Brücken bauen zu Eltern und Familien anderen Herkunft und anderer Sprachen
  • Informationen über die Entwicklung der Kinder aufbereiten, darbieten, mit Eltern diskutieren
  • Konstruktive Entwicklungsgespräche führen
  • Konstruktive Elternversammlungen durchführen
  • gute Elterninformationen zur Entwicklung der Einrichtung gestalten und Eltern zur Mitwirkung einladen
  • professioneller Umgang mit Konflikten
  • Professioneller Umgang mit der eigenen Angst vor den Eltern

 

Die Erzieherin der Kita Böhlener Knirpse beschreibt, was sich bei ihnen bewährt: »Wir haben keine Sprechzeiten, jeder, der was auf dem Herzen hat, kann kommen. Viermal im Jahr gibt es eine Elternversammlung, außerdem Elterntreffs, Elternbasteltage und Wandertage mit den Eltern. Das trägt alles dazu bei, einfach und ungezwungen ins Gespräch zu kommen. Wichtig ist auch, dass Kritik angenommen wird, nur so können Eltern und Erzieher gut zusammen arbeiten.«

ponte. Kindergärten und Grundschulen auf neuen Wegen ist ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, der Deutsche Bank Stiftung und der Internationalen Akademie für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie an der Freien Universität Berlin – INA gGmbH.

 

www.ponte-info.de

Mehr Infos und Kontakt
zu ponte-Kitas und Grundschulen:


Sandra Piper
ponte - Deutsche Kinder- und Jugendstiftung,
Tel. 030 – 25 76 76 35

 

Pressekontakt:

Sabine Käferstein
Tel. 030 – 25 76 76 24
Fax 030 – 25 76 76 – 10

 

Pressemitteilung:

presse_14-03-2007.pdf