„Kann man das Geld nicht anders investieren?“

17.06.11 – Bei der Diskussion rund um das Berliner Stadtschloss fühlten die Schülerinnen und Schüler des Willi-Graf-Gymnasiums Kristin Feireiss von der Galerie aedes und Bernhard Wolter von der Stiftung Berliner-Schloss –Humboldtforum auf den Zahn. In zweieinhalb Jahren Kultur-Forscher! sind die Jugendlichen zu richtigen Experten geworden.
 

Die jungen Stadtschloss.Forscher kamen am Freitag, 17. Juni, in der Aula ihres Gymnasiums mit ihren Diskussionspartnern zusammen. „Warum wird das Schloss wieder aufgebaut, ohne die Bürger zu fragen, obwohl so viel Geld im Spiel ist?“, fragte zum Beispiel ein Schüler in die Runde. „Na, das hat das Parlament als Vertretung des Volkes entschieden“, antwortete Herr Wolters von der Stiftung Berliner-Schloss–Humboldtforum, die Bauherrin des Großprojektes ist. „Ich bin der Meinung, dass das Schloss nicht gebaut werden sollte“, findet die 16-jährige Yonca Schulz. „Berlin hat doch genug Sehenswürdigkeiten. Kann man das Geld nicht anders investieren?“

Zweieinhalb Jahre hat die Klasse 9a des Berliner Willi-Graf-Gymnasiums zu Geschichte und Wiederaufbau von Stadtschloss und Humboldtforum geforscht. Sie sammelte Zeitungsberichte, führte Interviews und baute eigene Modelle. Mit den Materialien erstellten die Jugendlichen eine multimediale Bibliothek, die sie zur Diskussion in ihrer Aula präsentierten. Mit dem fächerübergreifenden Projekt waren die Schülerinnen und Schüler Teil des Programms Kultur.Forscher!.

„Wir haben eigentlich in allen Fächern zum Stadtschloss geforscht“, erzählt Joanic Bacoul, 15. „In Physik ging es um so Sachen wie Statik und wie man als Architekt den Wind berechnet. In Geschichte haben wir uns auch andere Gebäude angeschaut und sie mit dem Stadtschloss verglichen, zum Beispiel die Frauenkirche in Dresden.“ Die Kirche hat die Klasse dann sogar auf einem Ausflug besucht. Die Exkursionen seien sowieso das Beste gewesen, findet Naomi Praszel, 14. „Insgesamt habe ich echt viel über das Stadtschloss gelernt“, sagt sie.


Sabrina Schmidt, 15, und Nina Kueiessa, 15, mit "Heinz" und "Willi", zwei Styroporfiguren aus der multimedialen Bibliothek, die Schülerinnen und Schüler des Willi-Graf-Gymnasiums in zweieinhalb Jahren Stadtschloss.Forscher erarbeitet haben. Zu den Figuren gehören jeweils Interviewmitschnitte mit Akteuren der Debatte rund ums Humboldtforum.


800 Millionen, statt wie veranschlagt 552 Millionen, wird der Bau des Stadtschlosses am Ende kosten, schätzt Jörn Becker, Schüler am Willi-Graf-Gymnasium. Zweieinhalb Jahre hat seine Klasse als Stadtschloss.Forscher Geschichte, Architektur und Bedeutung des Schlosses unter die Lupe genommen.

Fotos: dkjs