Schulerfolg – die Themenwoche auf Facebook

03.07.12 – Ein Interview mit Dr. Anja Durdel darüber, wann Schülerinnen und Schüler in der Schule erfolgreich sind, warum die Erfahrung, dass etwas gelingt, wichtig ist und was die Stiftung zu mehr Schulerfolg beitragen kann
 

Was versteht die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung unter Schulerfolg? Heißt Schulerfolg weniger Sitzenbleiber, mehr Abschlüsse, bessere Noten?

Natürlich erkennt man in Deutschland mit seinem Notensystem einen Erfolg in der Schule daran, dass es bessere Noten gibt als im Vorjahr und Kinder und Jugendliche die Versetzung schaffen. Schließlich es ist für die Schülerinnen und Schüler selbst wichtig, dass Leistung und Anstrengung in Form guter Rückmeldung honoriert werden. Auch Eltern und die Menschen, die über den weiteren Lebensweg mitentscheiden   ̶   etwa in Ausbildungsbetrieben oder in Hochschulen   ̶   machen sich anhand von Noten ein Bild über die Leistungsfähigkeit des jungen Menschen. Die DKJS sieht den Druck, unter dem junge Menschen ohne Schulerfolg und mit einem unbefriedigenden Notenbild stehen. Wir wollen, dass sie Erfolg erleben, wieder Zutrauen zu sich selbst sammeln und ihre Lernfähigkeit steigern. Wichtig ist uns, einen Blickwechsel anzuregen: Weg von dem, was (junge) Menschen nicht können hin zu dem, worin sie gut oder gar großartig sind. Wir erfahren: Wenn Kinder und Jugendliche sich Sicherheit erarbeiten, indem sie wissen, was sie gut können, haben sie mehr Kraft für die Felder, in denen sie sich dringend verbessern müssen.   

Was kann die Stiftung dafür tun?

Die DKJS engagiert sich momentan auf drei Arten für Schulerfolg: Sie hilft erstens Schülerinnen und Schülern in unterschiedlichen Feriencamps ganz konkret dabei, ihre Lernmethoden zu verbessern, wieder Spaß am Lernen zu haben und die Versetzung in die nächste Klasse zu schaffen. Dabei sind die Schülerinnen und Schüler   ̶   und damit auch wir als Stiftung   ̶   sehr erfolgreich. Zweitens helfen wir dabei, dass sich rund um Kinder und Jugendliche bessere Netzwerke bilden, die bei Lernschwierigkeiten helfen, zum Durchhalten motivieren oder sich über Erfolg mitfreuen. Das sind neben Eltern z.B. Ehrenamtliche, Mitarbeiter in Jugendeinrichtungen oder Pädagogenteams in Ganztagsschulen. Und drittens arbeiten wir in Fortbildungen mit Lehrkräften zusammen, die ihrerseits lernen wollen, nämlich: Wie sie den Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen zukünftig besser befördern können.

Warum brauchen wir mehr Bildungserfolg?

Erfolg fühlt sich immer besser an als Misserfolg   ̶   und wir brauchen Kinder und Jugendliche, die zuversichtlich in die Zukunft schauen. Dass zu viele Jugendliche von sich glauben, die Gesellschaft habe sie abgeschrieben und anstrengen lohne sich sowieso nicht, hat jüngst wieder die SINUS-Jugendstudie gezeigt. Wir können uns keinen einzigen jungen Menschen leisten, der so von sich denkt  ̶   gerade angesichts des demografischen Wandels und der steigenden Kompetenzanforderungen in der Wissensgesellschaft. Und nicht zuletzt: Wir können uns als Gesellschaft auch kein Bildungssystem leisten, das so viel Misserfolg zulässt  ̶  leider noch immer vor allem bei den Kindern und Jugendlichen, deren Elternhaus selbst nicht erfolgsverwöhnt ist.   


Dr. Anja Durdel leitet den Geschäftsbereich Programme & Kommunikation bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Schulerfolg  ̶  die Themenwoche auf Facebook

Die Themenwoche auf Facebook widmet sich der Frage, was eigentlich Schulerfolg bedeutet und wer dazu beiträgt, damit Jungen und Mädchen gut lernen.

Ganz aktuell: Dem neuen Bildungsbericht zufolge ist der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss von 7,4 auf 6,5 Prozent gesunken. In absoluten Zahlen starten so aber immer noch mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler ohne ein Abschlusszeugnis ins Erwachsensein.

Foto: S. Freiling